StadtRaumBoxen # 26: Michael Göbel. TEXTSCHLEIFE (FRAGMENTE)

Mit den StadtRaumBoxen #26 können gespannt sein, auf die Arbeiten von Michael Göbel! Der in Kassel lebende Künstler arbeitet als Bildhauer. Zu seinem Œuvre gehören Installationen, Interventionen und Objekte weit entfernt vom klassischen Begriff der Skulptur. In ihnen beschäftigt er sich oft mit den unspektakulären Relikten unserer Kultur, nimmt verlassene Orte in den Fokus und hinterfragt damit das Verhältnis von Individualität und Gesellschaft. Dafür entwickelt er themenbezogenen Konzepte, arbeitet präzise und detailgenau; nichts überlässt er dem Zufall.
Dieser künstlerische Ansatz findet sich auch in seiner Arbeit für Erfurt. Die Auseinandersetzung mit einem verlassenen Ort, dem ehemaligen Schauspielhaus, das aktuell wieder zu einem lebendigen Kulturort aktiviert wird.
Michael Göbel nimmt Bezug auf die historische Funktion als Theater, aber zugleich auf das, was hier in naher Zukunft anzutreffen ist. Er nutzt – zwar nur als Konstruktionselement – Traversen, wie man sie zum Bühnenbau häufig einsetzt, und integriert sie in den „Bestand“. Ein langes Band, das zu einem Knäul verschlungen ist, windet sich durch die Boxen, verbindet sie. Formal betrachtet, erinnert es an das gefürchtete Chaos, das zu Zeiten, als Tonbänder und Magnetkassetten als Speichermedien dienten, entstand, wenn das Band nicht mehr richtig auf der Spule lag und sich verwickelte.
Das rote Band von Michael Göbel wird durch Text, der ihm eingeschnitten ist, zu einem Bedeutungsträger. Auszüge aus eigenen Aufzeichnungen von verschiedenen Projekten des Künstlers verweigern sich jedoch anders als beispielsweise bei lesbaren Spruchbändern in mittelalterlichen Darstellungen (die in einigen Fällen aus Gebetsmühlen kommen) aufgrund ihres fragmentarischen Charakters, der verworrenen Überlagerung und des Nichtkennens der Textauszüge der:des Betrachter:in der Lesbarkeit. Mit dem Rückgriff auf das besondere Textmaterial bekommt das Individuelle eine Bedeutung, das letztlich jedoch wieder stellvertretend für das Allgemeine stehen kann.
Dieses Band zieht sich wie ein Gedanke, wie ein roter Faden durch die Boxen und entwickelt einen skulpturalen Charakter, der der strengen Ordnung und dem Rhythmus der Kubatur der Vitrinen etwas Spielerisches entgegensetzt.
Vita
geboren 1973 in Niedersachsen
1995 – 2002 Studium Bildende Kunst bei Prof. Urs Lüthi, Kunsthochschule Kassel
seit 2024 Vorstandsmitglied im Kasseler Kunsttempel
2019 Lehrauftrag an der Universität Erfurt
2014 – 2016 Dozent für Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel
2013 – 2024 Vorstandsmitglied im Kasseler Kunstverein
seit 2011 Mitglied im Kuratorenteam der Galerie COUCOU
seit 2007 Organisation und Kurator des Kasseler Atelierrundgangs
seit 2006 Organisation und Kurator diverser Kunstausstellungen (u.a.: 8. Kasseler Künstlerfest, 2006 | „Nopression“, Kasseler Kunstverein, 2014 | „Echos“, Museum für Sepulkralkultur, Kassel, 2016 | „Abandoned Stories“, Kasseler Kunstverein, 2021)
Preise und Auszeichnungen:
2022 4. Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (besondere Anerkennung)
2021 Projektförderung der Stiftung Kunstfonds
2014 Auszeichnung für den Entwurf „In Erwartung“, Stadt Bad Wildungen (2. Preis)
2012 Kulturförderpreis der Stadt Kassel mit der Galerie Coucou
2010 Künstlerstipendium Willingshausen
2009 Kulturförderpreis der Stadt Kassel für den Kasseler Atelierrundgang
2009 Förderung durch die Dr. Wolfgang Zippelstiftung der Stadt Kassel
2007 Artist in residence, Gilfélagið, Akureyri, Island
2004 Förderung durch die Dr. Wolfgang Zippelstiftung der Stadt Kassel
1999 1. Leitz Innovation & Design Award, Esselte-Leitz Stuttgart (3. Preis)
Vielen Dank den Förderern:
Sparkasse Mittelthüringen, Landeshauptstadt Erfurt, Kulturstiftung des Freistaats Thüringen
und der Firma Ambion GmbH