Goldene Zeiten? Nicht für Kunst und Kultur

Kultur als Grundrecht: Wir fordern einen Dialog mit Stadt und Land zur schrittweisen Wiederaufnahme des Kulturbetriebs

In Artikel 5 GG ist die Freiheit der Kunst verankert. Aktuell scheint sich die Kunst – und mit ihr die Kulturakteure – selbst überlassen. Wenig bis gar nicht wird in den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf die Kultur eingegangen. Aus diesem Grund nutzen wir die „Goldenen Aktionstage“ der Bewegung „Die Vielen“ um auf die Situation der Kulturschaffenden aufmerksam zu machen und fordern einen Dialog mit der Stadt und dem Freistaat zur schrittweisen Wiederaufnahme des Kulturbetriebs. 

Kunst und Kultur sind Ausdruck menschlichen Daseins. Sie prägen unsere kulturelle Identität. Se leisten einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie sind demokratiefördernd. Sie sind ein schützenswertes Gut. Je länger die Schließung der Kultureinrichtungen dauert, desto größer wird die Gefahr des Verlustes der kulturellen Vielfalt durch Insolvenzen und Schließungen. 

Unter dem Motto „Gold statt braun“ finden am 8. und 9. goldene Aktionstage statt. Wir bringen das KulturQuartier Schauspielhaus und die Innenstadt am 8. Mai als Teil des goldenen Bandes ebenfalls zum Glänzen und gehen auf die Straße, um für die Freiheit der Kunst und dem Recht auf Kultur zu demonstrieren.

Wir sind am Freitag an folgenden Orten:

  • 15:00 bis 15:15 Uhr vor dem Schauspielhaus (Eintreffen der Teilnehmer ab 14:30 Uhr)
  • 15:30 bis 15:45 Uhr gegenüber der Staatskanzlei in Höhe Neuwerkstraße
  • 16:00 bis 16:15 Uhr vor dem Anger 1
  • 16:30 bis 16:45 Uhr auf dem Fischmarkt
  • und von 17:00 bis 17:15 Uhr auf dem Wenigemarkt

Das KulturQuartier Schauspielhaus entsteht an einem Ort, der einen besonderen Bezug zum Tag der Befreiung bzw. die Zeit danach hat. 1946 wurde in der SBZ im Rahmen der Entnazifizierung der Ausbau des Hauses als Theater beschlossen. Für den Bau wurden 1,6 Mio. Reichsmark ausgegeben, in Anbetracht der anstehenden Ausgaben der Nachkriegszeit, eine beachtliche Summe – weil man sich der Bedeutung von Kultur und Kultureller Bildung bewusst war. Am 29. August 1949 öffnet das Haus erstmals seine Pforten. Wenn wir heute den Tag der Befreiung begehen und morgen den Europatag, dann ist das untrennbar auch mit der heutigen kulturellen Lage verbunden. Welchen Stellenwert Kultur besitzt, kann man gerade in Zeiten der Krise erkennen. Darum nutzen wir den heutigen Tag auch dafür, auf die aktuelle Notlage aufmerksam zu machen. Denn die Institutionen, die die aktuelle Krise nicht überstehen, werden unwiederbringlich verloren sein.

In der Thüringer Erklärung der Vielen heißt es: „Die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, im Sinne der Unabhängigkeit von ideologischer, religiöser und staatlicher Beeinflussung, im Sinne öffentlicher Wahrnehmbarkeit und Wirkung, im Sinne geistiger Vielfalt, bilden die Grundlage unserer Arbeit und eines der wichtigsten Fundamente demokratischer Kultur. Kunst und Kultur fördern die Differenziertheit und den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens. Ohne Respekt keine Toleranz. Ohne Toleranz keine Gemeinsamkeit.“

Das „Goldene Band“ steht für ein vielfältiges, freiheitliches Kunst- und Kulturverständnis. Es steht für die Unabhängigkeit der Kultur von staatlichem und ideologischem Einfluss. Es steht vor allem auch für eine gemeinschaftliche und solidarisierende Antwort aus der Kunst- und Kulturlandschaft auf die spaltenden und feindseligen Versuche rechter Gruppierungen und Parteien, Menschen auszugrenzen und Kultur zu beschneiden.

Wir möchten ein Zeichen setzen und für die Beachtung des gesamten Kultursektors – der über keine finanzkräftige Lobby verfügt und deshalb bisher wenig Beachtung in den Festlegungen von Bund, Land und Stadt fand – auf die Straße gehen.

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